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TYCO S

Die Erfahrung in der Entwicklung kleiner Elektromotoren schlug sich auch in den ersten Chassis positiv nieder. Man entwickelte einen kleinen Blockmotor, der auf ein flaches Chassis mittels der aufgekanteten Enden der Schleiferlager aufgeclipst wurde. Der Antrieb der Hinterachse erfolgte einstufig über eine Schnecke.

Chassis_oben

Tyco S Chassis

Der eigentliche Clou ist jedoch die selbst mitlenkende Vorderachse. Dazu ist die Vorderachse zwischen 2 Führungsstiften drehbar in einer Aussparung im Chassis gelagert.

lenkbare Vorderachse

Durch diese einfache Konstruktion steht die Vorderachse immer exakt senkrecht zum Slot. Schon im ersten Prospekt wurde dieses Feature als "SLOT-steering" beschrieben und war dazu gedacht, die Reibung an den Vorderrädern zu mindern. Aus welchen Gründen im selben Absatz allerdings dann "steering lock guide pins" angeboten wurden, bleibt im Dunkeln. Ebenso der Grund, warum dieses Chassis nur kurz im Angebot blieb, und durch ein nicht lenkendes, ansonsten baugleiches ersetzt wurde.

Das TYCO S Chassis mag dem Vibrator haushoch überlegen gewesen sein, hatte aber gegen den von Aurora ebenfalls im Jahr 1963 vorgestellten Thunder-Jet keine Chance. Die Entwicklung der Elektromotoren war eben noch nicht so weit, dass bei einem inline angeordneten, kompakten Blockmotor ein solches Drehmoment wie bei dem im Durchmesser recht grossen T-Jet Motor erwartet werden konnte. Zur Verbesserung der Traktion sind auf beiden Seiten der Antriebsschnecke Bleigewichte eingesetzt.

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Ausschnitt vom Karton eines TYCO S-Sets

TYCO PRO

Das 1970 vorgestellte TYCO PRO Chassis war dagegen ein echter Herausforderer der T-Jets. TYCO ging dabei völlig neue Wege. Die einzige Gemeinsamkeit ist der inline angeordnete Blockmotor, hier jedoch mit der bis heute bei allen Herstellern eingesetzten Kegel-/Tellerrad-Paarung zur Hinterachse. Die Motoren kamen inzwischen aus dem Hause Mabuchi und hatten genügend Power, die "alten" T-Jets in ihre Schranken zu verweisen. Um eine bessere Performance zu erreichen, und vielleicht auch, um die größere Leistung der Motoren auf die Strasse zu bringen, wurden unten an das Chassis Messingplatten aufgesetzt. Diese verhalfen den Chassis zu einem sehr niedrigen Schwerpunkt. Die Breite der Chassis wuchs, damit waren die TYCO PRO die ersten Fahrzeuge, die ihren ursprünglichen Maßstab H0 in Richtung 1/64 verließen.

Die Vorderräder sind an Auslegern des Chassis einzeln aufgehängt, fallen aber zugunsten der Schleiferanordnung unrealistisch schmal aus. Außerdem haben die Vorderräder eine breitere Spur, was zu einem etwas ungewöhnlichen Erscheinungsbild der Fahrzeuge beitrug.

TYCO PRO von unten
TYCO PRO von unten
TYCO PRO Blockmotor
TYCO PRO: Anschluss der Schleifer, Blockmotor und Kegelrad/Tellerrad

Die ersten beiden Varianten haben fest an das Kunststoffchassis angebrachte, dunkelgrau lackierte "Brass Pans". Einziger Unterschied: Ursprünglich war TYCO PRO in weiß auflackiert, später eingestanzt. Die Schleifer sind drehbar an Auslegern des Kunststoffchassis angebracht. Diese Schleifer waren jedoch auch für die einzigen Ärgernisse mit diesen Fahrzeugen verantwortlich: die dünnen, fast folienähnlichen "Wiper" waren fast immer verbogen und mussten neu justiert werden.

TYCO PRO, 1. Version, weisse Schrift TYCO PRO, 1. Version, Schriftzug eingestanzt TYCO PRO in der ersten (dunkelgrauen) Version. Links mit weisser Schrift, rechts mit eingestanztem Schriftzug

Bei der dritten Version ist der Schleifer direkt an der "Brass-Pan" angebracht, immer noch drehbar und immer noch mit "Wipern" bestückt. Die Messingplatte ist jedoch in einem geringen Winkel drehbar um Scharniere direkt vor der Hinterachse gelagert. Ob dies eine bessere Performance oder lediglich eine grössere Kraft auf die Schleifer bringen sollte, ist unklar. Diese Konstruktion wurde bei der vierten Version auch wieder geändert und die Messingplatte fest mit dem Chassis verbunden.

1974 folgte das TYCO PRO 2 Chassis. Die gesamte Konstruktion wurde vom TYCO PRO 1 übernommen, lediglich die Schleifer sind anders: an Stelle der "Wiper" versehen nun gefederte Knöpfe ihren Dienst, die in Anspruch an Wartung und Pflege völlig unproblematisch waren.

TYCO PRO 2 TYCO PRO 2 von vorne
TYCO PRO 2 von unten und von vorne

Curvehugger

Da Aurora inzwischen ihren AF/X auf dem Markt hatten, fiel es zunehmend schwerer, mit dem TYCO PRO Konzept Paroli zu bieten. Als Aurora 1975 ihren MagnaTraction präsentierten, waren die Tage des TYCO PRO gezählt. Die Antwort von TYCO hieß dann 1976 aussagekräftig: Curvehugger.
Im Gegensatz zu den offenen Motormagneten für die Anziehung auf die Schienen verfolgte TYCO ein anderes Prinzip: die Magnetkraft der Motormagneten des Blockmotors wurde mittels "Flux-Collectoren" durch das Kunststoffchassis hindurch auf die Unterseite übertragen.

TYCO Curvehugger 1. Ausführung
TYCO Curvehugger mit Flux-Collectoren

Die erste Version hat deren 4, bei der zweiten fielen die äusseren weg. Die Vorderräder liefen immer noch auf einer breiteren Spur, jedoch war die Vorderachse in 2 Radständen einfach in das Chassis einzuclipsen. Die Curvehuggers bekamen Schleifer, die den heutigen schon sehr ähnlich sind und auch der Guidepin war erstmals so ausgeführt wie heutzutage: aus Metall und als Pin an Stelle des Steges.

TYCO Curvehugger (1) TYCO Curvehugger (2) TYCO Curvehugger: links nochmal die erste Version mit vier, rechts die zweite mit zwei Flux-Collectoren

1978 folgte die weiter überarbeitete Form mit der Bezeichnung Curvehugger HP2, wobei das HP wohl für High Performance steht. Im Gegensatz zum ursprünglichen Modell kam ein verstärkter Motor zum Einsatz und die Chassis bekamen breitere Vorderräder, die in der 2. Variante endlich wieder in der gleichen Spur mit der Hinterachse liefen.

TYCO HP2
TYCO HP2: deutlich ist der Unterschied in der Breite der Vorderräder zu sehen

Mit der dritten Variante des Curvehugger HP2 Chassis wurde eine Neuerung in der Großserie eingeführt: zum ersten Mal - und seitdem in jedem neuen Großserienchassis - kommen separate Magnete für die Bodenhaftung zum Einsatz. Vorbei war die Zeit der Flux Collectoren (TYCO), oder der für die Motorleistung ungünstig angebrachten Motormagnete (Aurora). Der Motor wurde wieder verbessert und für den Antrieb der Hinterachse wurde ein Gegenlager entwickelt, das ein Überspringen des Kegelrades auf dem Tellerrad verhindert. Erstmals bei TYCO war die Spur der Hinterachse größer als die der Vorderachse.

Curvehugger HP2 - dritte Variante HP2: neue Hinterachse mit Gegenlager
Curvehugger HP2: links die dritte Version den zwei Magneten für die Bodenhaftung und rechts die neu entwickelte Hinterachse mit Gegenlager

TYCO 440 Magnum

Obwohl der Curvehugger HP2 für seine Zeit noch gut am Markt positioniert war, mangelte es ihm dennoch an einem: die Blockmotorkonstruktion ließ keine flachen Karossen wie Indycars oder Formel 1 zu. 1981 war es Slotcarguru Derek Brand, mittlerweile selbstständiger Entwickler für Spielzeug, der ein neuartiges Chassis mit integriertem Motor der Firma präsentierte und auch verkaufte. Enthalten war alles, was zur damaligen Zeit gut und teuer war. Der 440 Magnum war nicht als Ersatz für den HP2 gedacht, sondern als Abrundung der Palette nach oben.

Tyco 440 Magnum
TYCO 440 Magnum: das erste Chassis von Tyco ohne Blockmotor

Mit dieser Konstruktion ist es Brand gelungen, das grundlegende Prinzip von H0-Slotcars der nächsten 25 Jahre zu definieren:

  • Inline angeordneter intergrierter Motor
  • Motormagnete nach unten offen
  • Separate Haftmagnete
  • Antrieb über Kegelrad / Tellerrad mit Gegenlager


TYCO HP7

1982 entschloss man sich bei Tyco, das etwas angegraute Low-Budet-Chassis HP2 durch eine günstiger zu produzierende Neuentwicklung zu ersetzen. Es entstand das HP7. Es besteht aus weniger Teilen als das HP2, hat wieder einen inline angeordneten Blockmotor und besitzt als Erkennungsmerkmal hinter dem Motor einen quer eingesetzten Haftmagneten, der beide Kontaktschienen abdeckt.

TYCO HP7
TYCO HP7 mit Blockmotor

Ob das HP7 leistungsmäßig einen Vorteil gegenüber dem HP2 brachte, darf bezweifelt werden, es war nie als Rennchassis geplant sondern diente eher der Spielzeugfraktion.


TYCO 440-X2 Magnum

Bereits zwei Jahre nach seiner Einführung wurde das TYCO 440 Magnum überarbeitet, um den Abstand zu Aurora, die mittlerweile das SuperG-Plus am Markt hatten, weiter auszubauen. Die wesentliche Änderung betrifft den quer angeordneten Haftmagneten, der durch zwei kleine, längs angeordnete, stärkere ersetzt wurde.

TYCO 440-X2
TYCO 440-X2

Das Ergebnis war phantastisch: dieses Chassis markierte die High-End-Klasse von 1983 bis Anfang der Neunziger, als Tomy das SG-Plus präsentierte. Für 1996 war die Einführung des 440-X3 geplant, wurde aber auf unbestimmte Zeit verschoben und erst im neuen Jahrtausend released.

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Quellen:
H.O. SlotWorld