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Historie - die Anfänge (1959-1962)

Die "Aurora Plastics Corporation" wurde 1950 gegründet und begann ihre Geschäfte mit Plastikwaren für alles mögliche (Pfeil und Bogen für Kinder, Kleiderbügel). Gündungsmitglieder waren Abe Shikes und Joseph Giammarino, zwei Jahre später stieß John Cuomo als Partner mit ein.

1952 beschloss man, im Bereich Plastik-Flugzeugmodelle einzusteigen. Durch den Verkauf über Kaufhausketten an Stelle der üblichen Hobbystores erreichten sie ein großes Publikum und so wurden die Plasikmodelle eines der populärsten Hobbies der Fünfziger. 1959 kamen die ersten motorbetriebenen Flugzeugmodelle; hierzu wurde ein Jahr später die Fa. K&B Allyn - Motorenhersteller - einverleibt, um die Belieferung mit den gasbetriebenen Minimotoren sicherzustellen.

Auf der 1959er Spielwarenmesse in Brighton, England, kamen Shikes und Giammarino mit Playcraft zusammen und bestaunten das Werk Derek Brand's. Nie hätten sie es für möglich gehalten, in so einer kleinen Karosse einen Motor unterzubringen. Carl Robinette, Chef von Derek Brand und Besitzer der Rechte des kleinen Flitzers, hatte großes Interesse, sein Konzept auch in den Staaten zu platzieren. Immerhin kam er von dort und hatte nach England, Playcraft, auch nur eine Lizenz vergeben. Als Giammarino ihn nach einer Lizenz fragte, lehnte dieser ab - Aurora sei zu klein, die angepeilten Stückzahlen zu produzieren. Robinette kehrte nach Amerika zurück und versuchte selbst, einen Lizenznehmer zu finden. Selbst große Firmen wie Mattel oder A.C. Gilbert lehnten ab. Nach längerer Bearbeitung durch Abe Shikes stimmte Robinette dann letztendlich der Lizenz an Aurora zu. Das Schicksal nahm seinen Lauf.

Auf der Hobby Industry Association of America (HIAA) Show in Chicago im Januar 1960 wurde das System erstmals in den Staaten präsentiert. Alles war begeistert, am meisten die Kinder. Die bis dahin benutzten elektrischen Eisenbahnen bekamen eine völlig neue Bestimmung - als "Unfallgegner". Unterdessen machte man sich bei Aurora Gedanken, wie das neue Spielzeug zu platzieren sei. Während Robinette und manche Aurora'ianer das System als Zusatz für die Eisenbahn ansahen, setzte sich der agile Werbungsmann Donald "Bill" Silverstein durch, der die Slotcars als reine Racer vertreiben wollte. Aus "Highways Model Motoring" wurde "Model Motoring".

Sowieso sollte sich Silverstein noch als ein echter Glückstreffer für Aurora herausstellen, es gab in diesen Zeiten wohl nur wenige, die ihn in Punkto Werbung und Marketing das Wasser reichen konnten.

Die erste Hürde war zunächst die Produktion: zur Messe waren alle Stücke noch von Playcraft ausgeliehen oder Einzelanfertigungen. Zehntausende von Bestellungen waren zu bewältigen und im September auszuliefern. Perfektionist Giammarino befand die Werkzeuge der Engländer als unzureichend und ließ neue erstellen. Diese erwiesen sich als so gut, dass sie wiederum auch von Playcraft eingesetzt wurden, was erklärt, warum Playcraft zwei verschiedene Chassisvarianten verkaufte. Bei Aurora lieferten vier Maschinen die Rohlinge, die auf vier Linien von 30 geschulten Mitarbeitern zusammengesetzt, getestet und verpackt wurden. Die riesige Arbeit zahlte sich aus; im September begann die Auslieferung der ersten Sets an die Läden, hunderttausende sollten in den Folgejahren dazukommen.

Um potentielle Käufer zu gewinnen, musste das neue Produkt in die Haushalte gebracht werden - ein Job für Silverstein. Anzeigen in populären Zeitungen und Zeitschriften sensibilisierten die Erwachsenen für das Thema. Die New York Times kam mit einer ganzseitigen Anzeige daher. Silverstein leierte einen kostenlosen Fernsehauftritt heraus: er lieferte sich ein 10-Runden-Rennen mit dem Moderator von NBC "Today". Dieser - vom Rennfieber gepackt - brachte in einer seiner nächsten Shows ein 10-minütiges live-Rennen zwischen sich und den weltbekannten Rennfahrern Stirling Moss, Joakim Bonnier und Oliver Grendenbien. Im selben Monat waren die Aurora Slotcars in einer weiteren Show zu sehen. Die Fokussierung auf die Erwachsenengruppe war von Silverstein gewollt - sie waren schließlich diejenigen, die überzeugt werden mussten, die Sets zu kaufen.

Slotcars schlugen an Weihnachten ein wie niemals zuvor oder danach ein anderes neues Produkt. Die Händler wurden noch 70 km entfernt angerufen, um ein Set reserviert zu bekommen, es wurden Kämpfe am Telefon ausgetragen. Selbst die unzureichende und sensible Technik konnte den Erfolg nicht verhindern. Kurz nach Weihnachten schlugen die Kunden Aurora fast die Türen ein, weil die Autos nicht mehr liefen und sie weitere kaufen wollten. In aller Eile wurde in der Firma eine Reparaturwerkstatt installiert und mit zwei Töchtern von Vorständen besetzt, die den Leuten zeigten, wie man die Autos wartet und repariert.

1961 zierte das Aurora-Logo jede Kellogs Cornflakes Packung in den Vereinigten Staaten und auf der Rückseite konnte man Sets gewinnen. Die Kinder begannen jeden Tag mit Model Motoring. Schnell lernte Aurora nachzulegen: das richtige Geld wird mit Aftersales verdient, Zubehör, Sonderschienen, Extra-Autos. Es war natürlich auch die Zeit von Nachahmern. Stück für Stück drängten andere Anbieter in die lukrative Marktnische, ohne jedoch die große Palette in diesen Stückzahlen anbieten zu können.

Nach und nach stellte sich der anfällige Vibratormotor als echte Schwierigkeit heraus. Silverstein drehte den Spieß um, indem er proklamierte "nur wenn du dein Auto hegst und pflegst, wird es auch laufen". Dazu wurde das "Hop Up Kit" verkauft, bestückt mit nützlichen Ersatzteilen und Werkzeug wie ein Minischraubendreher, Schleifpapier, Reifen, Reiniger und einem kleinen Handbuch mit Tipps. Auch entstanden lokale Repair Shops, die mit Jugendlichen besetzt waren um den Erwachsenen zu zeigen, wie einfach es war, die Vibrators zu richten.

Von Anfang an hat Aurora großen Wert auf die Karossen gelegt. Während andere Hersteller nur wenig verschiedene anboten, schob Aurora permanent neue Modelle nach: bis 1962, dem Ende des Vibrators, waren 19 verschiedene Modelle zu haben. Auch sonst war Aurora recht innovativ: sie erfanden z.B. den "Crisscross", also den Spurwechsel, der es endlich ermöglichte ohne eine Kurs-Acht gleichlange Strecken zu bauen. Weiterhin wurden die Lenkräder durch Daumendrücker ersetzt, mit welchen man deutlich schneller und effektiver umgehen konnte. Mit solch kleinen aber feinen Innovationen hielt man die Konkurrenz locker in Schach.

Zu den Schienen gibt es ein paar nette frühe Anekdoten: sie waren so schlecht zusammenzustecken, dass sogar im Handbuch an dieser Stelle drei Hände abgebildet wurden. Warum man nicht die Technik von Playcraft weiterverwendet hat, bleibt im Dunkeln. Die Schienen von Playcraft hatten je ein zusätzliches Loch am Ende, in das man ein Werkzeug reinstecken konnte. Durch Drehen des Werkzeuges wurden die Schienen zusammengepresst und es war ein Leichtes, den Verbinder einzusetzen.

Aurora-Variante

Aurora-Anleitung ...
Playcraft-Variante

... und die Playcraft-Variante

Aurora hatte zu Beginn ein großes Problem, den riesigen Bedarf an Kunststoff zu beschaffen, der zur Produktion der Millionen von Schienen nötig war. Deshalb schaute man nach günstigen Alternativen und kam auf die Idee des Recyclings. Gebrauchte Kunststoffteile jeglicher Art wurde zugegeben, alles schwarz eingefärbt und die Maschinen damit befüllt. Zu dieser Zeit wohl ziemlich einzigartig.

In den Anfängen hat Aurora immer noch ein halbes Auge auf den Eisenbahnbereich geworfen, so wurden noch bis 1963 "Race-Road-Rail" Sets verkauft mit Aurora Autos und Tyco Zügen. Zusätzlich gab es eine ganze Reihe von Gebäuden (Kampfrichter-Turm, diverse Tribünen, Garagen etc.), auf die die Kinder abfuhren und Auroras Gewinn steigerten.

Das "Grand National"

1961 hatte ein Ladenbesitzer eine gloreiche Idee: Autorennen im Laden. Er veranstaltete sechs Wochen lang Rennen. Eine seiner Newsletters erreichte auch Aurora. Silverstein sah sich die Geschichte an und verpflichtete den Initiator - Rich Palmer. Die Rennen sollten großräumig und unter Auroras Verantwortlichkeit durchgeführt werden. Noch im Herbst 1961 wurden zunächst einige Testläufe in verschiedenen Läden gestartet, dann wurde entschieden, etwas ganz Großes daraus zu machen.

Silverstein fuhr nach Detroit zu Ford, um sie als Sponsor zu gewinnen. Nachdem er mit zig Leuten gesprochen und immer weiter vermittelt worden war, landete er zu guter Letzt in einem Zimmer, in dem ein Mann mit den Füßen auf dem Tisch lümmelte und ihm klarmachte, er hätte genau fünf Minuten. Silverstein redete um sein Leben - es ging ihm immerhin um hunderttausend Dollar pro Jahr - und der Mann erwiderte: "I love it, it's a go!" Übrigens war der Mann Lee Iacocca, der Vater des Ford Mustang .. und des Grand National

In der Folgezeit wurden sämtliche Ladenbesitzer angeschrieben und es entstand eine neunwöchige Rennserie. Es wurde ein Standardkurs entwickelt und die zu verwendenden Autos waren fest vorgeschrieben (natürlich nur Modelle von Ford). Die Serie wurde auf Juni/Juli 1962 terminiert, traditionell die Monate mit sehr wenig Betrieb in den Läden. Bis dahin war in jeder Rennpackung das Regelbuch, zwei kleine Trophäen, Aufkleber, die die Teilnehmer an ihre Autos anbringen mussten, und Model Motoring Club Cards. Obwohl Aurora bekannt gab, dass in diesen neun Wochen in 5000 Läden die Rennen durchgeführt wurden, waren es wohl eher in Richtung 500.

Die 48 Gewinner der einzelnen Bundesstaaten ermittelten in einer Zwischenrunde die acht Finalisten, die sich in New York am 20. August 1962 einfanden. Nach dem ersten Finaltag, an dem noch vier Finalisten übrig waren, führte ausgerechnet der junge Henry Harnish, der seine Karriere in dem Laden gestartet hatte, der alles auslöste: in Rich Palmers Laden. Das abschließende Rennen am zweiten Finaltag wurde in der "Today Show" live übertragen. Harnish zeigte Nerven aus Stahl und siegte mit Überrundung souverän. Der Lohn: ein nagelneuer 1962er Ford Thunderbird in Original gesponsort von Ford. Der Vater bekam ihn zur Verwahrung bis der Sohnemann 21 wurde.

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Quelle:
Greenberg's Guide to Aurora Slot Cars
von Thomas Graham